Alumni-Stories: Theresa Abl über wissenschaftliches Arbeiten und ihr Studium in Durham

Theresa Abl hat 2011 einen Dr. Hans Riegel-Fachpreis in Mathematik erhalten und arbeitet derzeit an ihrem Doktorat in Mathematischer Physik.

Womit hast du dich in deiner ausgezeichneten Arbeit auseinandergesetzt?

In meiner Arbeit habe ich mich mit dem Thema Chaos beschäftigt, genauer gesagt mit Fraktalen. Das sind Objekte, die auf allen Skalen die gleiche Struktur aufweisen, die also aus vielen kleinen Kopien ihrer selbst bestehen. Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag ist der Karfiol, man kann ihn in immer kleinere Teile zerlegen und jeder Teil sieht mehr oder weniger aus wie das Ganze. In der Mathematik können Fraktale durch Iteration von Funktionen erzeugt werden. Das heißt, man startet mit einem bestimmten Anfangswert und wendet die gleiche Funktion dann immer wieder auf den neuen Ausgangswert an. So wird auch die sogenannte Mandelbrotmenge erzeugt, die wunderschöne Bilder zum Vorschein bringt. Ein Teil meiner Arbeit war es auch solche Bilder zu erzeugen und so wollte ich zeigen, welche Schönheit die Mathematik hervorbringen kann.

 

Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

Ich habe an einem Mentorenprogramm von FIT – Frauen in die Technik – teilgenommen, das mir die Chance gegeben hat, meine Fragen über Physik und Mathematik und auch über eine akademische Karriere mit meinem Mentor Prof. Wolfgang von der Linden vom Institut für Theoretische Physik der TU Graz zu besprechen. Ich konnte dann auch ein Ferialpraktikum an der TU Graz absolvieren, wo mein Mentor mich auf das Gebiet der Fraktale aufmerksam gemacht hat. Ich war sofort fasziniert von dem Thema und habe gemeinsam mit meiner Betreuerin, Mag. Marlene Oswald, einen genaueren Plan ausgearbeitet.

 

Wie bist du auf den Dr. Hans Riegel-Fachpreis aufmerksam geworden?

Meine Mathematiklehrerin hat mir von dem Preis erzählt und mir vorgeschlagen, meine Arbeit einzureichen, wofür ich sehr dankbar bin.

 

Was bedeutet die Auszeichnung für dich?

Ich habe mich sehr über den Preis gefreut und es war eine Ehre für mich zu sehen, dass andere meine Arbeit gelesen und sich Gedanken darüber gemacht haben und dass meine harte Arbeit geschätzt wurde. Aus meiner heutigen Sicht ist es sehr wichtig, dass die wissenschaftliche Arbeit von jungen Menschen gefördert wird und sie so ermutigt oder in ihrer Entscheidung bestärkt werden, ein naturwissenschaftliches Studium zu verfolgen, und der Dr. Hans-Riegel Fachpreis macht genau das.

 

Was machst du heute und wie bist du dorthin gekommen?

Ich habe in diesem Jahr mit meinem Doktorat in Mathematischer Physik in Durham in England begonnen. Nach der Matura habe ich mein Bachelorstudium in Technischer Physik an der TU Wien absolviert. Ich wusste schon zu Beginn, dass ich Theoretische Physikerin werden wollte und mein Traum war und ist, Professorin zu werden und in der akademischen Forschung zu arbeiten.

Nach dem Bachelorstudium habe ich ein Jahr in Belgien als Freiwillige in einem Kinderheim gearbeitet, mir war es wichtig, soziale Arbeit zu leisten und neue Erfahrungen zu sammeln, bevor ich all meine Energie in meine weitere Ausbildung stecken konnte. Danach habe ich mein Masterstudium in Physik an der ETH Zürich begonnen. Ich habe verschiedene Vorlesungen in Theoretischer Physik belegt und war fasziniert von Quantenfeldtheorie und Stringtheorie. Es hat mich begeistert mehr darüber zu lernen, wie sich die kleinsten Teilchen verhalten und wie sie miteinander wechselwirken und worauf alle Vorgänge in der Natur beruhen. Ich habe dann auch meine Masterarbeit in diesem Gebiet schreiben können, genauer gesagt war es ein Projekt über mathematische Aspekte von Streuamplituden.

Dieses Jahr war das spannendste und interessanteste meines bisherigen Studiums, es hat mich begeistert an Fragen zu arbeiten, die keiner zuvor beantwortet hat. Ich konnte sehr viel von meinem Betreuer und anderen Mitgliedern der 'Quantum Field Theory and Strings'-Gruppe lernen und auch an Konferenzen außerhalb der Schweiz teilnehmen und sogar einen Vortrag über meine Arbeit an einer Summer School in Edinburgh halten. All diese Erfahrungen haben mich darin bestärkt, dass ein Doktorat in Mathematischer Physik der richtige Weg für mich ist und mit Unterstützung und Beratung von meinem Betreuer habe ich mich dann für eine Stelle in Durham entschieden. Hier stehe ich gerade noch fast am Anfang von dreieinhalb faszinierenden und spannenden Jahren von Forschung und Studium der Mathematischen Physik. Ich beschäftige mich mit einem Projekt im Bereich der supersymmetrischen konformen Quantenfeldtheorien und Stringtheorie und freue mich auf das was mich in den nächsten Jahren hier erwartet.

 

Warum hast du dich für einen Ausbildungsweg im MINT-Bereich entschieden?

Ich war schon immer neugierig und mochte es, Neues zu lernen und wollte verstehen wie die Welt um uns funktioniert. In der Schule hatte ich viele Interessen und erst in der Oberstufe wurde mir klar, dass mir Mathe besonders viel Spaß macht. Ich entschied mich für ein Studium der Theoretischen Physik, da mir das ermöglichen würde später in der Grundlagenforschung zu arbeiten.

 

Was spricht deiner Meinung nach für eine Tätigkeit im MINT-Bereich?

Das wichtigste für mich ist die Faszination Neues zu lernen. Wenn man in der Forschung arbeitet, hört man nie auf, neugierig zu sein und zu versuchen immer mehr über ein bestimmtes Thema herauszufinden. Man kann Probleme behandeln, die bisher noch nicht verstanden wurden. Das Gefühl über Fragen nachzudenken auf die noch niemand eine Antwort weiß und dann nach langer harter Arbeit möglicherweise eine Antwort zu finden, ist unbeschreiblich.

 

Was würdest du SchülerInnen raten, die ihre Arbeit bei den Dr. Hans Riegel-Fachpreisen einreichen möchten?

Wenn ihr ein Thema behandelt, dass euch wirklich interessiert und fasziniert, dann wird es euch leicht fallen viel Energie hineinzustecken und das wird man der Arbeit auch ansehen. Habt Spaß daran und seid offen für Kritik und Verbesserungsvorschläge, ihr schreibt die Arbeit auch um wissenschaftliches Arbeiten zu erlernen. Ein wichtiger Tipp für jetzt und euer zukünftiges Studium - nutzt die Zusammenarbeit mit euren MentorInnen und versucht so viel wie möglich von ihnen zu lernen, einerseits über das Thema aber auch über das wissenschaftliche Arbeiten an sich.